Lüge und Schönheit – Die Wege des Emil Nolde

Schon als ich vor Jahren das erste Mal auf dem Weg zu unserem Traditionsurlaub Föhr gefahren sind, haben wir das Museum von Emil Nolde besucht. Bei schönstem Sonnenschein bin ich den Garten entlang spaziert und konnte so das Gefühl des Malers nachempfinden, welches er hatte, während er seine Gemälde und Aquarelle anfertigte. Als kleines, vielleicht fünfjähriges Mädchen, stand ich vor den wunderschönen Blumenbilder und war fasziniert. Als ich nun Jahre später wieder in das Museum trat, ging es mir ein wenig anders. Mit den neusten, veröffentlichten Erkenntnissen zu Noldes Leben konnte ich nicht mehr nur die Kunstwerke sehen, sondern musste auch an die Person dahinter denken. Diese Person, die von der Süddeutschen Zeitung als Wendehals betitelt wird. Emil Nolde galt lange ausschließlich als verfolgter Künstler im Hitlerreich, doch trotz späterem Malverbot war er nicht nur ein (zeitweise) unterdrückter Künstler, sondern zugleich ein Antisemit und Hitler Verehrer…

Emil Nolde war fast 70 Jahre alt, als die Nazis 1933 die Macht an sich brachten und Hitler Reichskanzler wurde. 1934 tritt er in die NSDAP ein und wendet sich im gleichen Zug von seinen biblischen Motiven ab. Er möchte keine Juden mehr malen und stellt stattdessen zusehends mythische Szenen dar. Trotzdem muss er während der ganzen Zeit um sein Ansehen kämpfen, da seine Malweise von Hitler nicht gemocht wird. So wird er zunächst in der Ausstellung für „Entartete Kunst“ gezeigt, durch seine Kontakte zu hohen Parteifunktionären jedoch schnell wieder herausgenommen. Nolte erhielt 1941 zwar Berufsverbot, doch er korrespondierte darüber nicht nur mit Goebbels sondern auch mit Hitler persönlich, kämpfte um seine Anerkennung im Nazireich und wird von Himmler zum zehnten Jubiläum des „Hitler-Putsches“ eingeladen. Das sind nicht die Wege eines im Untergrund weiterhin malenden Künstlers, der damit mit seinem Leben bezahlen könnte. Es sind die Wege eines 70jährigen, der eine Nazifahne auf seinem Haus hisst, Konkurrenten wider besseren Wissens als Juden (Pechstein) bezeichnet und darum kämpft, von der von ihm unterstützten Politik endlich anerkannt zu werden.

Nach wie vor machen mich manche seiner Kunstwerke sprachlos, faszinieren und berühren mich. Doch zugleich werde ich sprachlos, wenn ich lese, dass er bereits seit 1911 antisemitische Ansichten vertrat. Für mich ist das ein Zwiespalt zwischen dem Künstler, den ich verehre und der Person, die ich niemals unterstützen würde. Und noch habe ich für mich keine Lösung gefunden, wie ich mit diesem Zwiespalt umgehe.

Was sagt ihr zu diesen Enthüllungen?

Alles Liebe Liz

P.S. Vom 12.02.2019 – 15.09.2019 befindet sich die Ausstellung Emil Nolde, Eine deutsche Legende – Der Künstler im Nationalsozialismus – im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin, die sich genau mit diesem Thema auseinander setzt.

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